Wieder Fledermaus in Hochhausflur verirrt

Im September 2015 wurde ich von einem aufmerksamen Bewohner eines Hochhauses am Albrecht-Dürer-Ring alarmiert. Eine Fledermaus war durch ein offenes Fenster in einen der Flure eingeflogen und saß nun auf der Brandschutzsirene gegenüber seiner Wohnungstür. Besorgiserregend war, dass sie diesen Platz auch nachts nicht verlassen hatte. Wie ich bald feststellte, hatte sich das Tier offenbar irgendwie in den Spalt zwischen der Sirene und der Wand eingeklemmt. Erst nach längeren Bemühungen gelang es, sie zu befreien, und ich nahm sie in einem mitgebrachten Schuhkarton mit nach Hause, wo ich sie mit Wasser und Mehlwürmern versorgte. Da sie keinerlei Anstalten machte zu fliegen, war ich sehr besorgt, dass sie verletzt sein könnte und vereinbarte schon einen Termin mit einem Tierarzt, um zu prüfen, ob vielleicht ein Knochen an ihrem Flügel gebrochen sei. In diesem Fall hätte ich sie einschläfern lassen müssen – oder voraussichtlich lebenslang in Pflege nehmen, da solche Verletzungen erfahrungsgemäß nie so gut heilen, dass das Tier wieder erfolgreich jagen kann. Jedenfalls: die Geschichte nahm ein gutes Ende, noch vor dem Tierarztbesuch entschloss sich die Fledermaus zu einem Flug im Wohnzimmer und schließlich durch das Fenster nach draußen. Sie war wohl nur durch den unfreiwilligen Aufenthalt auf der Sirene ohne Nahrung für ein paar (?) Tage und Nächte geschwächt gewesen.
Diese alte Geschichte erzähle ich jetzt noch einmal deshalb, weil vor einer Woche, am 26. September, fast genau 2 Jahre nach dem genannten Vorfall wieder derselbe Herr mich per Mail informierte, dass wieder eine Fledermaus auf derselben Sirene säße.
Es zeigte sich, dass der freundliche Herr und ich trotz zweier seitdem vergangener Jahre nunmehr geübt waren, er hatte die Leiter schon bereitstehen, ich stieg hinauf, er zog an der Sirene, um den Spalt zu vergrößern, ich löste die Fledermaus vorsichtig heraus, und in 3 Minuten hatten wir sie in der Schachtel. Auf dem Heimweg wurden die Mehlwürmer eingekauft, daheim bekam die Patientin Wasser aus der Pipette und die ersten Mehlwürmer. Diesmal hatte ich nicht solche Angst, dass sie verletzt sein könnte, weil sie sich schnell und leicht hatte lösen lassen, sie hatte sich wohl nur die Daumenkralle in der Ritze eingeklemmt. Am Abend zeigte sie uns schon probeweise ihre Flugkünste (darüber später mehr), ich habe sie aber noch einen Tag behalten, um ihre Reserven mit vielen Mehlwürmern wieder etwas aufzufüllen, am Mittwoch Abend haben wir sie dann im Kleinen Wald fliegen gelassen. Es handelt sich wohl um eine Zwergfledermaus, und da ich meine Untersuchungs- und Diagnosekünste jetzt schon ein wenig verfeinert habe, meine ich sagen zu können: einen Zwergfledermäuserich.

2015
2017
Vor der Fütterung
Mehlwurm wird verschlungen