Verletzter Jungfalke in Frankenthal

Woher weiß der Wanderfalke, dass ich ein Dr. veterinär bin und hier eine Tierarztpraxis betreibe? Herr Dr. Klaffer staunte nicht schlecht, als er am Samstag den 23. Februar im Gelände seiner neu erbauten Praxis einen jungen Wanderfalken entdeckte, dem offensichtlich die Kraft zum Fliegen fehlte. Der Vogel konnte, anhand der Kennringe von der Vogelwarte Radolfzell, seine Personalien nachweisen (JC74129 und PRF), jedoch musste er zugeben, weder gesetzlich noch privat oder über seine Eltern krankenversichert zu sein. Dennoch bat Dr. Klaffer den ungewöhnlichen Patienten in seine Praxisräume. Eine erste ärztliche Untersuchung ergab: Es sind weder äußerliche noch innere Verletzungen feststellbar, jedoch zeigte seine magere Brust an, dass die Nahrungsversorgung in den letzten Tagen ziemlich dürftig war.

Dr. Klaffer verständigte mich über seinen ungewöhnlichen Patienten mit der Bitte, die notwendigen Schritte zu unternehmen. So brachte ich den Unglücksraben – oder besser Unglücksfalken – zur Vogelauffangstation Nonnenhof in Bobenheim-Roxheim, wo Frau Aline Keller ihn in Empfang nahm. Frau Aline veranlasste eine Röntgenuntersuchung und die ergab, dass unser Findling an einem wahrscheinlich schmerzhaften Hämathom im Rückenbereich litt und deshalb nicht fliegen und somit auch nicht jagen konnte. Frau Aline servierte dem Patienten nun das Beste vom Besten und so konnte der Falke schnell gesunden und nach nur zwei Wochen als geheilt und herausgefüttert gelten. Somit stand seinem Weg in die neue Freiheit nichts mehr entgegen, und die sollte dort beginnen, wo er krank und kraftlos aufgegriffen wurde.

Am Samstag den 5. März fanden sich ungefähr 35 Personen, darunter Vertreter der lokalen Wormser und der Frankenthaler Zeitungsredaktion sowie der Beigeordnete Herr Knöppel und Stadtratsmitglied Herr Dr. Schulze, in Nähe der Stadtklinik ein, um der Freilassung beizuwohnen. Frau Aline stellte dem interessierten Publikum den Wanderfalken als weiblichen Jungvogel vor, erzählte seine Krankengeschichte, berichtete über die Therapie und den Heilungsprozess. Hierbei hielt sie den Vogel in ihrer Hand und so hatten die Fotografen ausgiebig Gelegenheit, ihre Archive mit ungewöhnlichen Bildern zu bereichern.

Schließlich setzte Frau Aline das Falkenmädchen auf dem Ackerboden ab. Sogleich schoss es mit kraftvollen Flügelschlägen erst dicht über den Boden hinweg, um dann jedoch, rasch größere Höhe gewinnend, in Richtung Industriegebiet Nord fliegend, aus dem Blickfeld der begeisterten Zuschauer zu entschwinden.

Herr Reiner Haselmannvon von der AG-Wanderfalkenschutz Baden- Württemberg teilte mir auf Anfrage mit, dass der Wanderfalke aus einer Gebäudebrut in 74354 Besigheim stammt und dort im Alter von 30 Tagen nach dem erst 2015 eingeführtem System beringt wurde.

Unter Beringungssystem  für Wanderfalken findet man folgende Erklärung: Am rechten Bein erhält jeder Wf. einen alufarbenen Kennring mit großen Buchstaben. So steht der Buchstabe B für Baden-Württemberg . Am linken Bein soll ein Habitatring darüber informieren, in welchem Habitat der Wf. erbrütet wurde. So signalisiert ein roter Ring: Dieser Wf. ist am Felsen oder im Steinbruch erbrütet worden. Gelb bzw. Gold bedeutet Gebäudebrut, Schwarz zeigt Strommastbrut an. Grün sagt aus, dass der Wf. auf einen  Baumhorst zur Welt kam.

Eine Antwort auf „Verletzter Jungfalke in Frankenthal“

  1. Spendenkonto:
    Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof
    Sparkasse Vorderpfalz
    IBAN: DE 96 5455 0010 0030 0287 99

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